Sonntag, 7. Oktober 2007

12 Haarmenschen



Das Wissen weiter Kreise der Bevölkerung um die genaueren Umstände der menschlichen Entwicklungsgeschichte muss noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr diffus gewesen sein; jedenfalls waren Schaustellungen sogenannter „Missing Links“, angeblich fehlender Glieder zwischen Tier- und Menschenreich, vielbesuchte Schaubudenattraktionen. Die Haarmenschen waren die am meisten verbreiteten Tiermenschen - „halb Mensch, halb Tier“. Einige wenige dieser Freaks erreichten Starruhm, so „Lionel der Löwen-“ und „Jojo der Pudelmensch“.

Die Schausteller hatten noch viele weitere bizarre Erklärungen für die dichte Körperbehaarung ihrer „wissenschaftlichen Rätsel“, nur die eigentliche banale Begründung, das Weiterwachsen des embryonalen Wollhaars, blieb meistens außen vor: So wurden dem Publikum häufig haarsträubende Geschichten von der Herkunft der diversen Waldmenschen wie den „Affenweibern“ aufgetischt.

Eine starke Behaarung weckte auch bei den Bartfrauen das Interesse der Kirmesbesucher. Wie bei den Hermaphroditen, die ebenfalls in Schaubuden gezeigt wurden („halb Mann – halb Frau“), beruhte die Wirkung dieser Frauen auf das Publikum nicht zuletzt auf ihrer vermeintlichen Zwittrigkeit.
Männer, die ihre Barttracht für Geld beschauen lassen wollten, ließen diese zu enormer Länge wachsen. In Zeiten, als das äußere Erscheinungsbild strengen Normen unterlag, hatte auch solch eine „Abnormität“ durchaus Schauwert.
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(c) Stefan Nagel 2007

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