Donnerstag, 11. Oktober 2007

8 "Wilde"



Mit Menschen anderer Hautfarbe kam die Bevölkerung früherer Zeiten in der Regel nicht in Berührung. Umso größer war das Interesse an „Mohren“ oder „Negern“, die in den diffusen Vorstellungen der Menschen häufig primitive Wilde waren.
Diese rassistischen Auffassungen wuchsen mit dem Grad der Dunkelhäutigkeit der Fremden: Schwarzafrikaner oder Australier galten als besonders unterentwickelt, während die Exotik der als liebenswert-naiv geltenden Südseebewohner und ihre vermeintlich paradiesischen Lebensumstände in ein positiveres Licht gerückt wurden.

Die Schausteller bedienten und verbreiteten diese chauvinistischen Vorstellungen, indem sie die dunkelhäutigen Fremden als triebbestimmte Wilde in Szene setzten, die martialische Tänze zu Trommelschlägen und lautem „Kriegsgeschrei“ aufführten.
Im Gegensatz zu den Großen Völkerschauen, die einen informierenden Anspruch zumindest vorgaben und mitunter auch erfüllten, wurden in den Jahrmarktschaubuden zumeist allein einfache Schaugelüste des Publikums bedient. „Hühnerfresser“ oder gar „Kannibalen“ galten dabei als besondere Attraktionen.

Die Tatsache, dass die angeblichen „Wilden“ häufig schwarz gefärbte Schaustellergehilfen waren, sprach sich schnell herum oder war oft allzu offensichtlich. Das Attribut „echt“ wurde so zu einem unverzichtbaren Element der Ankündigungen, wobei die „Echtheit“ durch ausgehängte Zertifikate „bedeutender Professoren“ beglaubigt wurde.

Die immanent erotische Komponente der Menschenschauen, die oft übrigens durchaus auch auf das weibliche Publikum abzielte, trat in den nur Herren zugänglichen sogenannten „Harems“ schließlich offen hervor. In diesen Schaugeschäften produzierten sich leicht bekleidete „Orientalinnen“ vor einer morgenländisch-schwülstigen Kulisse – gewährten aber selten die in den Ankündigungen angedeuteten und von den Herren erhofften Einblicke…
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(c) Stefan Nagel 2007

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